Die Zen-Linie von KÔUN-AN DÔRU CHIKÔ DAISHI
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HARADA DAI-UN RÔSHI (1870 - 1961) |
YASUTANI HAKU-UN RÔSHI (1885 - 1973) |
YAMADA KÔ-UN RÔSHI (1907 - 1989) |
KÔUN-AN DÔRU CHIKÔ DAISHI (1921 - 1990) |
Die Zen-Linie und Lebensdaten von KOUN-AN DORU CHIKO DAISHI
In der Dharma-Nachfolge SHAKYAMUNI-BUDDHAs (ca. 565-487 v. Chr.) gehörte
KOUN-AN DORU CHIKO DAISHI als 85 Nachfolgerin der Linie und 35. Nachfolgerin in der japanischen Linie DOGEN-ZENJIs – der Zen-Schule „SANBO KYODAN“ an
SANBO KYODAN (wörtl. Die Gemeinschaft der 3 Schätze – Buddha-Dharma-Sangha) ist eine relativ junge Zen-Schule, die am 8.Januar 1954 von YASUTANI HAKU-UN Roshi gegründet wurde. Als Dharma-Nachfolger von HARADA DAI-UN Roshi, der ein Meister der Rinzai-Schule war, verband er die Koan-Praxis der Rinzai-Schule mit den Lehren der Soto-Schule, die von Dogen-Zenji (1200-1253) von China nach Japan gebracht wurde. Er vereinigte die wichtigsten Elemente beider buddhistischen Schulen, das fokusierte Streben nach Erleuchtung bei Rinzai mittels einer Koan-Schulung,- mit der Überzeugung bei Soto, dass wir Menschen von allem Anfang an erleuchtete Wesen sind. In seiner neuen Schule passte er die Lehren der beiden Zen-Schulen dem modernen Leben an und gab Laien die Möglichkeit zu einer klösterlichen Praxis, ohne Mönch oder Nonne werden zu müssen.
YAMADA KO-UN Roshi traf beim Empfang der Buddhistischen Gelübde von HARADA DAI-UN Roshi 1950, zum ersten Mal mit YASUTANI HAKU-UN Roshi zusammen und wurde sein Schüler, nachdem er auch seine Schulung unter ASAHINA SOGEN Roshi vom Engakuji- und Jochiji-Tempel in Kamakura und unter HANAMOTO KANZUI Roshi vom Mokusenji-Tempel in Ofuna beendet hatte. Später wurde er Dharma-Nachfolger von YASUTANI HAKU-UN Roshi.
YAMADA KO-UN Roshi wurde 1967 zum SHOSHIKE seiner Schule und Dharma-Nachfolger von YASUTANI HAKU-UN Roshi ernannt und baute zusammen mit seiner Frau Dr. YAMADA KAZUE MYO-EN Daishi in Kamakura das SAN-UN-ZENDO, das Zendo der 3 Wolken ( Un = Wolke, Harada, Yasutani und Yamada).
Zu dieser Zeit war Brigitte D’Ortschy bereits Schülerin beider Zen-Meister und entwarf als Architektin zusammen mit ihrem Kollegen aus der Schule von Frank-Lloyd Wright, AMANO TARO Sensei, das neue Zendo.
Die Architektin und Ingenieurin BRIGITTE D’ORTSCHY traf kurz nach ihrer Ankunft in Japan 1963 auf der Suche nach einem Zen-Meister auf YASUTANI HAKU-UN Roshi und begann im April 1964 in den Tempeln Fukushoji in Tokyo und Mokuso-in in Kamakura mit ihrer Zen-Praxis. Sie lebte in Kita-Kamakura in einem Gartenhaus hinter dem Jochiji-Tempel. Neben ihrer Lehrtätigkeit an der Waseda- und Yokohama-Universität im Fach Germanistik gab sie zahlreiche Gastvorträge in Architektur und Religionsphilosophie an anderen Universitäten und Instituten und war als Journalistin, Übersetzerin und Schriftstellerin tätig.
In dieser Zeit durchlief sie die Koan-Schulung bei YASUTANI HAKU-UN Roshi, welcher ihr ihren Dharma-Namen KO-UN AN DORU CHIKO DAISHI verlieh ( KO = strahlend, UN = Wolke, AN = Klause und der Titel für weibliche Zen-Meister, DORU = wegsäubernd, waschen, strömen, CHIKO = Licht der Weisheit, DAISHI = Titel für weibliche Zen-Meister, wird als „Große Schwester“ gelesen oder als ROSHI).
Wenn YASUTANI HAKU-UN Roshi im Ausland war, vertrat sein Schüler und inzwischen selbst Zen- Meister, YAMADA KO-UN Roshi seine Stelle. Sie beendete die Koan-Schulung am 24.November 1972 und erhielt am 28-Oktober 1973 die Hasan-Sai Zeremonie.
BRIGITTE D’ORTSCHY traf 1964 auch auf PHILIP KAPLEAU, der an seinem Buch „THE THREE PILLARS OF ZEN“ (1965) arbeitete und entwarf das Titelbild dieses Buches. Sie begann mit der Übersetzung in die deutsche Sprache. Dabei entschied sie sich, die alten Originaltexte, die teilweise in Kanbun übermittelt wurden, erneut ins Englische und dann später ins Deutsche zu übersetzen. Für ihre Korrekturen der späteren Ausgaben des englischen Buches und die neuen Übersetzungen der alten überlieferten Quelltexte gab Philip Kapleau seine dankbare Anerkennung und ausdrückliche Genehmigung. Schließlich wurde die deutsche Ausgabe seines Buches „Die drei Pfeiler des Zen“ im Jahre 1969 zum ersten mal veröffentlicht.
Unter dem Pseudonym „MICHAEL MÜLLER“ schrieb sie ein Teisho über das Koan MU aus der Sammlung MUMON-KAN ( es ist auch im Band 1 ihrer Teisho über Mumon-Kan im WolkenVerlag abgedruckt und als CD erhältlich) - und kompilierte den Text des Buches „ZEN“ (1984, 1997) mit Bilder von Eberhard Grames im Ellert & Richter Verlag.
Ab 1972 hielt sie zusammen mit YAMADA KO-UN Roshi die ersten Sesshin in Deutschland (Roseburg und Stuttgart) und gründete 1975 ihr eigenes Zendo in München-Schwabing und lehrte ab 1982 in Grünwald.
Am 1.Februar 1983 wurde sie als SHOSHIKE der SANBO KYODAN Zen-Schule bestätigt.
(Der Titel „Shoshike“ berechtigt eine eigene Zen-Linie zu gründen und Dharma-Nachfolger zu ernennen.)
Bis zu ihrem Tode 1990 verbrachte sie die Wintermonate in Japan in ihrem geliebten HANARE (Gartenhaus) in Kamakura und übersetzte Schlüsseltexte des Zen-Buddhismus. Sie schulte sich dabei unermüdlich selbst weiter. Sie unterhielt ausgedehnte Schriftwechsel mit Schülern und Freunden in aller Welt, die sie auch während der Sommermonate von Mai bis Oktober in München trotz Sesshin und Zazen-Kai nicht unterbrach.
Wenige Wochen, bevor sie ihre offiziellen Dharma-Nachfolger ernennen konnte, ging sie nach kurzer schwerer Krankheit am 9.Juli 1990 in Grünwald in die Große Verwandlung ein und verstarb ohne Dharma-Nachfolger.
So fiel ihr Zendo zurück an das Mutter-Zendo in Kamakura und SANBO KYODAN.
Das Zendo in Grünwald wurde 1994 aufgelöst. Es gibt weltweit kein von KO-UN AN DORU CHIKO ROSHI authorisiertes oder von ihr gegründetes Nachfolge-Zendo.
Weitere Informationen über Brigitte D’Ortschy bei Wikipedia: Brigitte D'Ortschy



